... April 2003

Unser alter Wetterhahn

Unser alter WetterhahnZiemlich ramponiert steht er da – unser alter Wetterhahn. Er hat Federn lassen müssen und der goldene Lack ist längst schon ab. Löcher zieren seine Flanke. Viele Jahre lang hatte er seinen angestammten Platz auf der Kirchturmspitze und hat dem Wind und dem Wetter immer mutig entgegengeblickt. Er hatte den Überblick über das Dorf. Und wenn er erzählen könnte, so hätte er wohl viel zu berichten. Und was hat er nicht alles schon gesehen, unser alter Wetterhahn. Er sah die Jahreszeiten kommen und gehen, musste Sturm und Hagel trotzen. Brütender Hitze und klirrender Kälte war er ausgesetzt; musste als Zielscheibe für Gewehrkugeln herhalten. Doch neben all den Widrigkeiten sah er auch viele Menschen, die am Sonntag zur Kirche gingen. Sah Hochzeitsgesellschaften und Taufgemeinden in die Kirche ziehen, aber auch Menschen, die ihrem Verstorbenen das letzte Geleit gaben. Von oben hörte er den Weihnachtsliedern zu, die im Bauch der Kirche gesungen wurden und lauschte den Konzerten. Er sah das Dorfgemeinschaftshaus entstehen, blickte auf die Renovierungsarbeiten des Kriegerdenkmals, die Einweihung der Ortsmitte und die Eröffnung der „Hutzel“. Er hörte den Straussbuben bei der „Kerweredd“ zu und wohnte den Dorfmärkten bei. Und schliesslich erlebte er die Renovierung der Kirche. Und zu der im neuen Glanz erstrahlenden Kirche, da wollte unser alter Wetterhahn nicht mehr so recht passen, Also hat man ihn pensioniert und in den Altersruhestand versetzt. An seiner Stelle sitzt ein neuer, ein goldner Hahn. Doch wir haben ihn nicht vergessen, unseren guten alten Wetterhahn. Seinen Ehrenplatz hat er nun im Dorfgemeinschaftshaus. Und aus luftigen Höhen zurückgekehrt, sucht unser alter Hahn Gesellschaft und unternimmt auf unserem Kalenderblatt einen Ausflug in den Hühnerstall

...dort kann er sein, wovon er schon immer geträumt hat: Er ist endlich der „Hahn im Korb“.

 

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