Orgelprojekt als musikalischer Mosaikstein


Benjamin Schmitt zeichnet den über 700-jährigen Weg der Kirchenmusik nach - Neue Erfahrung für Gottesdienstbesucher

700 Jahre Orgelmusik – Programm (Änderungen vorbehalten)

Ungläubig drehen die Gottesdienstbesucher ihre Köpfe. Die Verwunderung steht ihnen förmlich ins Gesicht geschrieben. Statt des gewohnten Orgelvorspiels erfüllen gregorianische Klänge den Kirchenraum. Es ist ein gregorianischer Introitus "Omnes gentes". Ein alter Gesang, der in frühchristliche Zeiten zurückreicht.

Die Überraschung ist wahrlich gelungen. Als die letzten Töne des "Da pacem domine" am Schluss des Gottesdienstes verklungen sind, zieht Stille im Kirchenraum ein; wunderbare Stille. Oben auf der Empore steht Benjamin Schmitt, aufgeregt und überglücklich.

"Ich bin heilfroh, dass es geklappt hat", gibt er später beim Frühschoppen in der "Hutzel", der Dorfkneipe, zu. "Es ist schon viele Jahre her, dass ich das letzte Mal einen gregorianischen Choral gesungen habe. Ich kann mich noch daran erinnern, ich war 16 Jahre alt und machte gerade den Abschluss der Ausbildung zum C-Kirchenmusiker in Landau. Damals war ich genauso aufgeregt, und sicherlich hatte ich auch damals feuchte Hände bekommen", fügt er lachend hinzu.

Das waren seine musikalischen Anfänge. Nach langjährigem Klavierunterricht an der Kreismusikschule wechselte Schmitt das Fach und erlernte das Orgelspiel. Neben musiktheoretischen Fächern wurden auch Chorleitung und Gregorianik vermittelt. "Das kommt mir jetzt für mein Projekt zugut", fügt er an.



Benjamin Schmitt spielt die Spirkelbacher Kirchenorgel


Mit 15 Jahren hatte Benjamin seinen ersten Gottesdienst musikalisch zu bestreiten. Zuerst in den umliegenden Gemeinden Hauenstein und Lug. Danach war er auch in seiner Heimatgemeinde Spirkelbach regelmäßig auf der Orgelbank anzutreffen. Mittlerweile sind schon viele hundert Gottesdienste vergangen, der sonntägliche Kirchgang ist gewissermaßen Routine. "Es wurde Zeit, sich musikalisch einer neuen Herausforderung zu stellen", gibt er zu, und so entstand das Projekt "700 Jahre Spirkelbach - 700 Jahre Orgelmusik". Begleitend zum Jubiläumsjahr soll eine Reise durch die Kirchenmusik, von den Anfängen bis zur Moderne, unternommen werden.

"Begonnen haben wir bei den Wurzeln der Kirchenmusik, den gregorianischen Gesängen aus der christlichen Frühzeit. Mittlerweile sind wir schon bei der Mehrstimmigkeit der Notre-Dame-Epoche angekommen. Und so schreiten wir mit jedem Gottesdienst im Laufe des Jahres musikalisch bis hin zur Moderne. Die nächsten Stationen werden die Musik der Reformation, die Kirchenmusik des Johann Sebastian Bach und Komponisten des Spätbarocks sein. Dazu gehört zum Beispiel Georg Friedrich Händel", erläutert Benjamin sein Projekt. "Ich war selbst überrascht, dass die Orgelmusik bis in zwölfte Jahrhundert zurückreicht. Meinen Arbeitstitel "700 Jahre Kirchenmusik" wollte ich aber beibehalten". Es soll auch Schwerpunktgottesdienste geben. Mit einem solchen wurde auch angefangen. "Wir haben gregorianische Choräle in den liturgischen Ablauf integriert. Das evangelische Gesangbuch ist voll mit Chorälen, die gregorianischen Ursprungs sind. Vor allem für die Kirchenbesucher war das eine ganz neue Erfahrung".

"Musik ist mein Leben", antwortet Schmitt auf die Frage, wie das Projekt entstand. Er ist Gründer der "Chorkids", eines Kinder- und Jugendchores und Dirigent des Gesangvereins Spirkelbach. Doch nicht nur durch die Musik will sich Benjamin Schmitt einbringen. Als Mitglied im Gemeinderat gibt es für ihn im Jubiläumsjahr alle Hände voll zu tun. "In Spirkelbach steckt so viel Potential", schwärmt er, "es ist spannend zu sehen, was sich in der Gemeinschaft alles entwickeln kann. Es ist phantastisch, wenn alle an einem Strang ziehen und zusammenarbeiten".

Viel hat sich die Gemeinde Spirkelbach vorgenommen. "Das Jugendwochenende im Mai wird bestimmt ein Höhepunkt im Festablauf", ist sich Benjamin sicher. "Beim Festakt sind auch die Chorkids mit dabei, und darauf freuen sich meine Kleinen schon das ganze Jahr".

Aber auch sonst wird in der Gemeinden allerhand los sein. Benjamin drückt es so aus: "Viele Mosaiksteine ergeben das Ganze. Das Gefühl der Gemeinschaft zieht sich wie ein roter Faden durch das ganze Jahr; auf vielfältige Art und Weise". Und so will er auch sein kirchenmusikalisches Projekt verstanden wissen. "Es soll ein Mosaikstein im Jubiläumsjahr sein, und jeder soll sich eingeladen fühlen, den Weg der Kirchenmusik durch das Jahr hindurch mitzugehen". Beim Dorfmarkt vom 11. bis 13. Juli soll auch die renovierte Dorfkirche ihre Pforten weit geöffnet halten. Dort wird man dann Orgelmusik aus vergangenen Jahrhunderten lauschen können.

"Auch wenn die Orgel der Firma Oberlinger aus Windesheim nur sehr klein ist, gehört sie zu den klangschönsten Instrumenten, die ich kenne. Nachdem sie gründlich überholt und restauriert wurde, ist es eine reine Freude, auf ihr zu spielen". Zwei große Wünsche hat Benjamin für dieses Jahr. "Ich wünsche mir, dass ich mein juristisches Studium erfolgreich abschließen kann und dass das Jubiläum ein grosser Erfolg für unser Dorf wird. Dazu möchte ich meinen musikalischen Beitrag leisten. Besonders danken möchte ich meiner Freundin Vera Brandenburger, die mich bei all dem tatkräftig unterstützt." Dass sie darüber hinaus das neue Logo und den Jubiläumskalender gestaltet hat und dass er mit ihr auch seine musikalischen Interessen teilen und sogar gemeinsam mit ihr auftreten kann, macht Benjamin besonders stolz.

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